Durchlässig werden

Gedichtband von Petra Arndt

buch

“Die Lyrikerin und Bildhauerin Petra Arndt arbeitet sich ab an Stein, Holz und Wort: Antwort auf ihre brennenden Fragen findet sie nur in ihrer Innerlichkeit. Die Natur rings um das kleine Dörfchen Volkenroda mit seinem Kloster ist ihr im Laufe der Jahre zur engen Vertrauten geworden, und den Hauch der Erkentnis verspürt sie am ehesten, wenn sie sich dieser Natur in ehrfürchtiger Stille anheim gibt.”

 

Dieter Albrecht

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Rezensionen

Zum Gedichtband Durchlässig werden

Aus der unendlichen Kraft der Sonne strömen immer wieder neue Energien, die sich in vielfältiger Weise und Form in den Farben der Natur zeigen. Es entsteht meist ein sehr differenziertes Bild, das jedoch nicht gleich auf den ersten Blick zu erkennen ist. Das Urteilsvermögen nimmt die sichtbaren Dinge der Welt nuanciert und differenziert wahr. Verborgen bleiben oft die kleinen Details. So erkundet jeder für sich Natur und Kunst auf ganz unterschiedliche Art. In einer Art Symbiose werden im Band „Durchlässig werden" die Spielarten der Künste reflektierend gezeigt in Lyrik und Fotografie.

Der Fotograf Dr. Ulrich Hauch (Jahrgang 1959) und die Lyrikerin Petra Arndt (Jahrgang 1958) nähern sich der Natur auf unterschiedliche Art und Weise, doch ihre Motive ähneln einander. Petra Arndt entwirft mit der Lyrik ein anderes Bild der Natur. Sie nimmt Natur immer wieder im direkten Dialog mit ihr wahr. Wenn sie durch bewusste Sprachauswahl das Morgenlicht in Worte kleidet und das zarte Licht der Sonne zur Metapher des Lebens und der Lebensenergien skizziert, dann ist Petra Arndt verwoben mit dem Rhythmus der Jahreszeiten und nimmt so die wechselhaften Stimmungen jener Landschaft um Volkenroda ganz bewusst wahr. Das Licht und der Wind sind ihre ständigen Begleiter, wenn sie in aller Stille und völliger Isolation durch die Felder und Wiesen streift. Dort findet sie den „tanzenden Reigen" wie auch das „vielfarbige Schweigen graziler Lupinen", versteckt zwischen dem Grün der Wiesen oder dem Blau des Himmels. Das Morgenlicht führt sie zu Seelenlandschaften und Orten, die sich in der Beschreibung als mythisch offenbaren. Wann immer sie mit Worten ihre Sinnesart preisgibt, sucht sie nach Spielarten der Sprache, die sie in der Verwendung von Metaphern und Allegorien findet.

Petra Arndt sinnt über das Menschsein nach, über die Verwandlungen des Geistes, über den Stellenwert Gottes in der heutigen Zeit. In der Stille findet ein Dialog mit den göttlichen Kräften statt, wird im „wallenden Kampf mit der Sehnsucht nach dem verborgenen Ursprung" der Seele gesucht. Wann wird er gefunden? Oft „in der Stille der Landschaft". Dann und wann im Licht und Dunkel und in der Welt der traumhaften Sphären der Zwischenwelt beginnt der expressive Dialog, sinnt sie der Kraft einer höheren Macht nach. Dabei sind ihre Motive der Unsterblichkeit und Metamorphose eines ewigen Kreislaufs unterworfen. Zu einer Symbiose werden ihre Gedanken um Weltwirklichkeit. In der Offenbarung der Fragmente ihrer Gedanken findet sich nicht selten das Motiv von Hass, Zweifel, Liebe, Traum, Gebet und Schmerz.

Vielleicht liegt hier der Schlüssel zur Erkenntnis der Wahrnehmung verborgen, wenn Petra Arndt die zum Teil bewusst gewählten Kontrastmotive zum Ausdruck bringt. Die offenbar dauernde tragische und fremde Wirklichkeit lässt ihr die Möglichkeit, dieser auch zu entfliehen. Sie sucht nach einem Neubeginn, wenn sie im Geist neue Räume erkundet oder sie zu magischen Orten werden lässt, an denen Begegnung mit Gott stattfindet. Sie beginnt eine Seelenwanderung, sie ist auf der Suche nach Gottes Wort, und sie gräbt ihre Gedanken ein in den diffizilen Modus der Welt. Wie zarte Spuren verankert sie das Wort, lässt im Schattenriss der Silben Symbolisches zum Ausdruck kommen, wenn ihre „Fragen gehisste Fahnen" werden und „zu Gott wehen". Dann scheint der Mut der Menschen kleine Etüden zu üben. Wohin geht die Reise der Töne und der kleinen Akkorde? In die Zwischenwelt, in der der Blick zur Wirklichkeit verschlossen bleibt. Petra Arndt kann die geheimnisvolle Welt nur finden, wenn sie die Augen verschlossen hält vor der sichtbaren Welt. Wenn sie sich im Rhythmus der Jahreszeiten zwischen Feldern, Wiesen und Träumen bewegt, dann kehren die königlichen Mächte ein, die die Silben der Beschreibungen bündeln, ihnen Leben und Tiefe verleihen so wie sie es in dem Gedicht „Königliche Nächte" beschreibt. Verharrend im Ich, suchend nach der Fülle der Schönheit, ist sie dennoch festgefahren und gehalten in der Kraft und Macht der Energien.

Petra Arndts Lyrik kreist immer wieder um Lebensfragen, wenn „Lebenswiderfahrenes umschifft werden muss, wenn sie im Hafen ihrer selbst angekommen ist und der Weg weg führt in das Reich der Fantasie. So entdeckt sie hier und da Zeichenhaftes, Skizzenhaftes und Spirituelles, das in die Wortwahl ihrer sprachlichen Zeichen fällt und dort neu interpretiert wird. Die Lyrik gleicht nicht selten der Auswahl von Chiffren und Zeichen, deren Symbolgehaltsich langsam erschließen lässt. Um in die Tiefe der Seelenwanderungen einzudringen, obliegt es nun jedem selbst, sich der Transformation der Seele bewusst zu werden. „Aus inneren Schleiern quillt Sehnsucht, urgrundtief entspringt das Unstillbare, bedroht abgezirkelte Bahnen", worin sich die Reflexion von Schönheit und Traum widerspiegelt.

Der Fotograf Ulrich Hauch begibt sich auf die Reise durch Natur und Landschaftsraum und beginnt eine zarte und nicht selten erschrockene Annäherung an das Motiv, das er in sichtbarer Entfernung fokussiert. Er sucht und findet bei der Begegnung mit der Natur, den Details von Landschaft und Architektur. Er zeigt Ausschnitte der Wirklichkeit, die er in meditativer Art und Weise auf sich wirken lässt. Die fragilen und zarten Baumstrukturen, die Vielzahl der sphärischen Erscheinungen werden zu einem grafischen Medium in seiner Fotografie. So fokussiert er immer wieder die Fragilität der Schönheit, stellt ihre Vergänglichkeit in den Vordergrund seiner Motive.

Ulrich Hauch sucht und findet allerorts Wegzeichen und stößt bei seinen Streifzügen durch Raum und Zeit auf das Schöne. Was nicht immer auf dem ersten Blick sichtbar wird, das erschließt sich dem geistigen Auge. Denn nur mit dem sieht man verborgene Dinge, die sonst unerkannt blieben. Wenn er das blaurote Leuchten über den Feldern wahrnimmt, dann besinnt er sich auf das Verwobensein der Seele mit Raum und Zeit. So zeigt Hauch das zarte Geflecht der Bäume, der Wurzeln, die kraftvoll aus dem Urgrund der Erde erwachsen, wie auch das weithin sichtbare Leuchten der Wolkenfragmente am Himmel. Grenzenlos und weit wird sein Himmel, weit und uferlos zeigen sich seine Gedanken an Schönheit, Leben und Unvergänglichkeit in der Auswahl seiner Bildmotive und Ausschnitte.

Diana Henkel- Trojca MA, Kunsthistorikerin Erfurt

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